TUS Rockenberg Fussball - Vereinsgeschichte
Vereinsgeschichte


Die Vereinsgeschichte des TuS Rockenberg 1912 e.V.
Dieser Text erschien im Festbuch anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des TuS. Der Verfasser war Karl Weckler
Die ersten Turngemeinden in der nördlichen Wetterau entstanden noch vor dem Revolutionsjahr 1848. Den Anfang machte 1845 die Kreisstadt Friedberg, der 1846 Butzbach und 1847 Wölfersheim folgten. Doch erst um die Jahrhundertwende breitete sich die Turnerei in unserer engeren Heimat stärker aus. So bildeten sich Turnvereine 1899 in Griedel, 1900 in Nieder-Weisel, 1901 in Ober-Mörlen, 1903 in Gambach, 1904 in Münzenberg und Nieder-Mörlen und 1905 in Steinfurth.

Mit Unterstützung der Butzbacher Turner wurde dann auch im April 1912 der Turnverein in Rockenberg gegründet, der als Mitglied der Deutschen Turnerschaft (DT) im Turngau Hessen beitrat. Es war eine Reihe von Männern, die zu dieser Gründung die ersten Anregungen gaben: Peter Landvogt, Friedrich Schneehagen, Wilhelm Hartfuß, Konrad Hinkel, Friedrich Horst, Georg Groß, Adam Endlein, Heinrich Weckler, Georg Bühlmeyer, Hans Spaar, Heinrich Sulzbach, Anton Wettner, Hans Römer, August Edelmann und Jakob Krämer.

Erster Vorsitzender des neu gegründeten Vereins war Altbürgermeister Peter Landvogt, dem später Friedrich Schneehagen folgte.

Einen besonderen Förderer fand der junge Verein in dem verehrten Geistlichen Rat und Dekan Georg Waldmann, der bald Mitglied und schließlich Ehrenmitglied des Turnvereins wurde. Als ersten Turnwart wählte der Verein, der schon bald über eine stattliche Mitgliederzahl verfügte, Georg Groß, als zweiten Adam Endlein.

Noch im Gründungsjahre besuchten die Turner das Bezirksfest in Gambach. 1913 nahmen sie am Bezirksturnfest in Dorn-Assenheim mit gutem Erfolg teil.

Bei dem 60jährigen Jubilaumsfest des Gesangvereins "Concordia" im gleichen Jahre trat der Verein erstmals mit seinem Spielmannszug und turnerischen Darbietungen an die breite Öffentlichkeit. Auch erhielt der Verein seinen ersten Turnplatz an der Bahnhofsstraße neben dem Anwesen von Heinrich Langsdorf.

Vom 13. bis 15. Juni 1914 fand das Bezirksturnfest in Griedel statt und war mit der Fahnenweihe des dortigen Turnvereins verbunden. Rockenberg stellte eine große Zahl Teilnehmer, von denen Ludwig Scholtes in seiner Klasse unter 90 Teilnehmern einen großartigen 3. Platz erreichte. Mit dem Beginn des l. Weltkrieges 1914 wurde die turnerische Arbeit jäh unterbrochen. Die Turnerei ruhte von 1914 bis 1918 fast ganz. Die meisten Aktiven standen im Felde. Soweit möglich, turnte F. W; Beck mit den Jugendlichen, besuchte u. a. das Gauturnfest in Gießen und 1917 das Feldbergfest, von dem er selbst als Sieger zurückkehrte.

Nach Beendigung des Krieges nahm das sportliche Geschehen einen gewaltigen Aufschwung. Schon 1919 wurde unter großer Beteiligung das Bezirksturnfest in Lang-Göns besucht. Mit drei mit frischem Grün geschmückten Leiterwagen fuhren Teilnehmer und Vereinsangehörige dort hin, und die Wettkämpfer errangen zahlreiche Siege.

Das turnerische Leben blühte stark auf, und die Mitgliederzahl des Vereins wuchs. Die Bezirksvorturnerstunden wurden eifrig besucht, und das dort Gelernte mit der Zöglingsober- und -Unterstufe des Vereins fleißig an den unter großen Opfern erstandenen Turngeräten geübt. Auch die geselligen Veranstaltungen des Vereins, die alljährlich im Vereinslokal Horst abgehalten wurden, fanden großen Anklang und volle Anerkennung. Die Bezirksturnfeste der folgenden Jahre in Grüningen, Nieder-Mörlen und Steinfurth brachten dem Verein eine Reihe schöner Erfolge. 1922 beteiligten sich die Rockenberger Turner an der Gauturnfahrt nach Marburg. In der 4xlOO-m-Pendelstan'el errangen die Laufer Karl Liller. Fritz Bayer, Willi Hartfuß und Heinrich Langsdorf den Sieg vor Marburg. Gießen und Wetzlar.
Auch bei den Waldlaufmeisterschaften der damaligen Jahre holten die Mitglieder Anton Groß, Paul Wolf und Dengler manchen Sieg nach Rockenberg.

Das traditionelle Anturnen fand bis gegen Ende der 20er Jahre alljährlich am zweiten Osterfeiertag auf dem Sportplatz an der Bahnhofstraße statt. 1924 turnte zum ersten Male die damalige Gauriege in Rockenberg. Es war eine der besten Veranstaltungen, die unser Heimatort in dieser Zeit sah. Neben den turnerischen Übungen wurde auch das Wandern gepflegt. 1923 unternahm der Verein eine Wanderung nach dem Hausberg und den Isselteichen, 1925 eine solche nach Nidda. Sie fanden großen Anklang und starken Zuspruch.

Durch die große Ausbreitung, die Sport und Spiel nach dem ersten Weltkrieg fanden, wurde 192.1 der ,,Spiel- und Sportclub" gegründet, der als erster in Rockenbsrg "Im Gieß" Fußball spielte. Unter seinem ersten Vorsitzenden, Wilhelm Hohlmann sen., schloß er sich mit dem Turnverein zum "Turn- und Sportverein" Rockenberg zusammen. Die Gemeinde stellte einen neuen Spiel- und Sportplatz an der Wetter ("Bruch") zur Verfügung. Dieser Platz war 1922 Festplatz des Radfahrervereins ,,Germania" und diente später dem Sportverein "Rot-Weiß" und der Deutschen Jugendkraft.

In dem Maße wie die Beteiligung und das Interesse am Fußballspiel wuchsen, schwanden sie auf dem Gebiet der turnerischen Betätigung. So beschlossen 1931 die letzten älteren Mitglieder in einer angesetzten Generalversammlung die Auflösung des Vereins. Das Vereinsvermögen und die Geräte wurden der Gemeinde Rockenberg übereignet.

Die Tradition des Fußballspielens übernahm der 1922 gegründete Sportverein "Rot-Weiß". Neben ihm entstand im September 1928 unter H. H. Kaplan Klein innerhalb der Marianischen Jünglings-Sodalität eine Sportabteilung, die am l. Januar 1929 dem Reichsverband der Deutschen Jugendkraft angegliedert wurde. Ihr erster Abteilungsleiter war Johann Anton Langsdorf. Sie betrieb neben dem Fußballspiel besonders Leichtathletik. Die Mitglieder beteiligten sich mit guten Erfolgen an den Sportfesten und Waldläufen des DJK-Bezirks "Wetterau".

Der Opfergeist unter den Mitgliedern - das gilt auch für den Sportverein "Rot-Weiß" - war groß. Die ersten Bälle, leichtathletische Geräte, die Tore auf dem Sportplatz wurden aus eigenen Mitteln der Mitglieder beschafft. Zu den Verbands- und Freundschaftsspielen fuhren die Mannschaften bis nach Ilbenstadt und Heldenbergen mit dem Rad.

Der Bezirksgeländelauf des Jahres 1930 wurde von der Rockenberger DJK-Abteilung ausgerichtet. Unter 92 aktiven Teilnehmern errang die junge Abteilung neben weiteren Plätzen zwei erste, einen zweiten und zwei dritte Siege. Auch die Carl Mosterts-Spiele in Ilbenstadt, aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des Reichsverbandes der DJK, wurden mit gutem Erfolg besucht. Die besonderen Ereignisse des Jahres 1931 waren der Bezirkssporttag in Ober-Mörlen und der Kreissporttag in Frankfurt (Main). Die 3xlOOO-m-Staffel errang die Bezirksmeisterschaft. Diese Staffel siegte auch beim Kreissportfest in Frankfurt (Main), das von den DJK-Abteilungen Hessens und Nassaus beschickt war. In der Klasse der Landvereine gewann sie die Kreismeisterschaft in der Besetzung Hans Wittmann. Karl Weckler und Jakob Bühlmeyer. Hauptverdienst an diesem Sieg hatte der im 2. Weltkrieg gefallene Jakob Bühlmeyer, der ein gefürchteter Gegner, besonders in den Langstrecken war. Bei der gleichen Veranstaltung erkämpfte Heinrich Bodenröder zwei großartige zweite Siege im Weitsprung und 100-m-Lauf.

1932 übernahm Karl Weckler die Leitung der DJK-Abteilung Rockenberg, die er bis zu deren Auflösung 1935 durch die Gestapo inne hatte. Das Jahr 1932 brachte mit dem gauoffenen Bezirkssportfest, das in Rockenberg ausgetragen wurde, noch einmal einen besonderen Höhepunkt. Mittelpunkt der Samstagabend-Veranstaltung war das Schauturnen der Kreisriege, deren ausgezeichnete Übungen begeistert aufgenommen wurden. Teilnehmer war u. a. Zellekens (Frankfurt), der spätere Kunstturnwart des Deutschen Turner-Bundes. Die leichtathletischen Wettkämpfe am Sonntag, bei denen neben Vertretern vieler Landvereine auch Teilnehmer aus Frankfurt (Main), Neu-Isenburg und Mainz starteten, brachten hervorragende Leistungen.
Weniger erfolgreich beteiligte sich die DJK-Abteilung in diesen Jahren an den Fußballverbandsspielen. Über einen Mittelplatz in der B-Klasse kam die Mannschaft nicht hinaus.

Auch mit dem Sportverein "Rot-Weiß" wurden sportliche Beziehungen gepflegt. Während die Fußballspiele, bis auf die erste Begegnung, an die ..Rot-Weißen" gingen, revanchierten sich die "Grün-Weißen" dafür in der Laichtathletik. Neben einem leichtathletischen Vergleichskampf gewann die DJK den alljährlich am Verfassungstage, dem 11. August, ausgetragenen Staffellauf durch die Straßen unseres Heimatortes.

Die politischen Umwälzungen des Jahres 1933 machten der DJK eine weitere Ausübung ihrer sportlichen Betätigung unmöglich, wenn das Verbot auch erst 1935 ausgesprochen wurde. Auch der Sportverein "Rot-Weiß" litt unter diesen Zeitverhältnissen, die seine Tätigkeit lahmten und schließlich ganz zum Erliegen brachten.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Vereinsleben neu aufgebaut. So kam es in unserem Dorfe im Jahre 1948 zur Wiedergründung des alten "Turn- und Sportvereins" Rockenberg, der sowohl die Tradition des Sportvereins ,,Rot-Weiß", als auch die der Deutschen Jugendkraft übernahm. Angeregt wurde die Neugründung durch Bürgermeister Heinrich Weckler, der, ehedem selbst Mitglied des alten Turnvereins 1912, ein eifriger und wohlwollender Förderer des sportlichen Geschehens in unserer Heimat- gemeinde war. Erster Vorsitzender wurde Heinrich Merz H.

Zunächst wurde fast nur Fußball gespielt. Da die Mitgliederzahl schnell und ständig wuchs, erweiterte sich das Betätigungsfeld immer mehr. Angeregt durch Franz Wilhelm Beck, den heutigen Landesvorsitzenden des Hessischen Turnverbandes, betrieb man bald Turnen und Leichtathletik. Eine starke Mädchengruppe pflegte Gymnastik und Volkstanz. F. W. Beck, seit 1947 erster Vorsitzender des Vereins, hielt wöchentlich mehrere Übungsstunden. Durch gute Zusammenarbeit mit Bürgermeister Heinrich Weckler erhielt der Verein einen geeigneten Platz an der Münzenberger Straße durch die Gemeindeverwaltung zur Verfügung gestellt. Durch die Anpflanzung einer Weißdornhecke auf der Südseite des Platzes und einer Reihe Lindenbäume an der Straßenfront entstand eine recht ansprechende Anlage. Sie wurde später durch die Errichtung zweier Umkleidekabinen und eines Geräteraumes vervollständigt.

Von 1947 an besuchte die leichtathletische Gruppe zahlreiche Turn- und Sportfeste der näheren und weiteren Umgebung. Rockenberger Sportler waren nicht nur Teilnehmer an den Gauturnfesten in Gettenau, Wölfersheim, Gambach, Rainrod, sondern sie besuchten auch die bekannten Bergturnfeste auf dem Schrenzer bei Butzbach, auf dem Hoherodskopf, auf der Lorelei und dem Feldberg. Oft kehrten sie mit guten Erfolgen zurück. So errangen bei einem Sportfest in Nieder-Weisel vier Teilnehmer vier erste Siege in ihren Gruppen: Marianne Edelmann in der Frauen-Jgd. I, Hans Ludwig Beck in der Männer-Jgd. II, Albert Krämer in der Männer-Jgd. I und Werner Jochim bei den Männern. Auch Karlheinz Seib brachte von den Gau- und Kreisturnfesten manch schönen Sieg nach Hause. Besonders gefürchtet Vv'ar die damalige 4xlOO-m-Staffel des TuS.

Die Mitgliederzahl schnellte auf über 200 hinauf. Andere Sportarten interessierten. Zwei Jahre lang spielte eine Reihe von Mitgliedern in einer Tischtennisabteilung, die leider infolge Fehlens eines geeigneten Übungsraumes ihre Tätigkeit aufgab.

Mit großem Erfolg betätigte sich der Verein auch im Faustballspiel. Turniere in Friedberg und Frankfurt (Main) wurden besucht. Bei den Bezirksmeisterschaften in Frankfurt (Main) wurde ein hervorragender dritter Platz vor Hanau und Friedberg belegt. Spieler der Faustballmannschaft waren: Heinrich Beck, Pol. Meister Bormann, Gerd Dierstein, Heinz Düfert, Edi Gubisch, Karl Heilmann, Werner Jochim, Walter Kaiser, Heinrich Landvogt, Philipp Trautmann, Oskar Tritt, Karl Weckler, Paul Weckler, Karl Zehfuß. Die gut eingespielten Mannschaften fielen später durch den Wegzug einzelner Spieler wieder auseinander. Dazu bei trug allerdings auch der Mangel an Spielgelegenheiten, da Faustball in unserer Gegend nur von ganz wenigen Vereinen betrieben wurde.


Siegerehrung 1.Mai 1952


Seit 1947 trägt der TuS Rockenberg alljährlich am l. Mai leichtathletische Wettkämpfe aus, die mehrfach mit Faustballturnieren verbunden waren. Für die beste Mannschaftsleistung in den volkstümlichen Dreikämpfen setzte der Verein einen Wanderpreis aus. Sieger dieser begehrten Auszeichnung waren bisher der TuS Eberstadt, TSV Butzbach und TuS Rocken- berg. In einzelnen Jahren lag die Teilnehmerzahl über hundert. 1949 ging F. W. Beck als Direktor des Stadtamtes für Jugendpflege und Leibesübungen nach Wiesbaden. Sein Scheiden wurde allgemein bedauert. Ihm folgte Friedrich Höhler als I.Vorsitzender, der 1953 von Karl Weckler abgelöst wurde. Seit 1959 steht Friedrich Krug dem Verein vor. Der Hauptträger des Vereins ist heute die Fußballabteilung, die in diesem Jubeljahr des TuS auf eine vierzigjährige Vereinsgeschichte zurückblicken kann. Sie wurde nach der Wiedergründung nach dem zweiten Weltkrieg zunächst von Otto Busold, dann von Gottfried Merz geleitet. Nach einer kurzen Führung durch Friedrich Höhler steht seit 1949 Wilhelm Beck an der Spitze der Abteilung. Diese spielt seit 1947 mit wechselnden Erfolgen in der B-Klasse des Kreises Friedberg. Im Spieljahr 1951/52 errang sie die Meisterschaft in der B-Klasse Gruppe Nord und stieg für das folgende Spieljahr in die A-Klasse auf. Nach beendeter Spielzeit - ohne Glück kämpfend - mußte die Mannschaft wieder absteigen. Mit gutem Erfolg veransteltete die Abteilung in all diesen Jahren zahlreiche Fußballturniere. In guter Erinnerung stehen die freundschaftlichen Begegnungen mit dem SV 98 Darmstadt und "Preußen" Essen-Steele.


Meisterschaft B-Klasse (Gruppe Nord) von links nach rechts: Helmut Weckler, Werner Jochim, Konrad Wurm, Walter Kaiser, Georg Ambron, Bernhard Krieger, Ernst Böcher, Günther Winkler, Wilhelm Beck, kniend: Heinrich Bayer, Ernst Weinert und Anton Bayer.


Besonders stolz ist die Abteilung und der gesamte TuS auf die zweimalige Zuerkennung des Fairnesspreises, den der Landrat des Kreises zur Verfügung stellt. Im Jubiläumsjahr 1962 spielt der TuS Rockenberg in seiner Fußballabteilung mit zwei aktiven, einer Jugend- und einer Schülermannschaft.